Ein Huhn mit Geschichte

 

 

Augsburger Hühner wurden um 1870 von Julius Meyer aus der französischen Rasse La Fleche mit schwarzläufigen italienischen Lamotta Hühnern  gekreuzt. Um 1900 wurden die Hennen als fleißige Eierleger geschätzt und fanden Aufnahme in den vom Schwäbischen Kreisverband für Geflügelzucht geförderten Zuchtstationen.

 

„Nachdem diese als Quelle für Bruteier, besonders von der Landbevölkerung in Anspruch genommen wurden, ist unter den damaligen Verhältnissen eine schnelle Verbreitung erreicht worden. Es wird sogar berichtet, dass die hervorragenden Eigenschaften zu einer Nachfrage aus allen Gauen Deutschlands führten. Seitens des bayerischen Landwirtschaftsministeriums fanden sie Anerkennung unter dem Namen Augsburger Huhn“ [1]


Da die rassetypische Kammform jedoch nicht reinerbig auftrat, wurde die Verbreitung dieser Rasse durch die Zuchtstationen vom bayerischen Landwirtschaftsrat 1905 verboten. Die beiden Weltkriege führten dann endgültig  zu einem Zusammenbruch der noch jungen Hühnerrasse. Einige Augsburger Bürger zeigten jedoch großen Willen zum Erhalt dieser Rasse und führten sie zu einer zweiten Blüte in den 50er Jahren, als sich die Rasse bis in den Stuttgarter/Schwarzwälder Raum ausbreitete. Hauptverbreitungsgebiet war jedoch stets die Heimatregion um Augsburg. Ende der sechziger Jahre veränderte sich die Lage mit dem Aufkommen der Hochleistungsrassen rasant. Das Augsburger Huhn als einzige Bayerische Hühnerrasse im Bundesdeutschen Standard  wird v.a. noch als Schönheitshuhn gezüchtet,  trotzdem kann man auch die Legeleistung, mit durchschnittlich 150-180, weißschalige Eier pro Jahr, als recht gut bezeichnen. Mit den Hochleistungshühnern kann das Augsburger jedoch nicht mithalten. Auch als konventionelles Masthuhn ist es ungeeignet, das Augsburger Huhn nimmt nur langsam Gewicht, dann aber ist das Fleisch sehr wohlschmeckend. Deshalb gilt das Augsburger Huhn heute als extrem gefährdet; 2005 zählte man offiziell nur noch etwa 200 Tiere. In der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen wird das Augsburger Huhn deshalb in der Kategorie I (extrem gefährdet) gelistet



[1] (Bartl 1989, Augsburger Huhn, S.40).